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anoraque (DE/CH)

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anoraque

Nach ihren ersten und letzten Lebenszeichen, der EP DISTURBING GRACE und der Single L I L A (2016 & 2017, beide Radicalis Music), melden sich ANORAQUE mit einem Brocken von Konzeptalbum zurück. Ein Wagnis, eine Mutprobe bei der man ganz vergisst, dass es sich hierbei um das Debütalbum der Band aus Deutschland und der Schweiz handelt.

Ganz um die Zahl Vier angelegt – vier Bandmitglieder, vier Seiten mit je vier Songs, vier Buchstaben im Titel, in vier Wochen geschrieben und aufgenommen –, entfernen sich ANORAQUE ein gutes Stück von der kopflastigen, hypernervösen Aggressivität ihrer EP und erschaffen mit D A R E (09.11.18, Radicalis Music) eine frankensteinartige Wundertüte.

Experimente mit Granularsynthese (////), Heimorgel (Hollywood) und Songstruktur (Formulate) stehen neben introvertierten Balladen (If, Ivy). 80er Synthieklänge (Peaks, Rainbows) treffen auf 90er Grungegitarren (Not Asking For It, Happy Happy Joy Joy) und auch für die alte Hypernervosität ist hin und wieder Platz (Uh-Oh, Using You).

Textlich wird ebenfalls ein breites und bisweilen sehr düsteres Feld abgesteckt: Neben Depression, Krankheit, Bodyshaming, Versagen, Missverständnissen und alltäglicher Einöde werden aber auch Kindheitsträume, gleichgeschlechtliche Beziehungen und Drogentrips besungen und von den profanen Alltagsproblemen im abschließenden Girlfriend konterkariert. 

Regelmäßige Unregelmäßigkeiten und unerwartete Erwartungen bleiben charakteristisch für ANORAQUE. Lorraine Dinkel (voc, git), Valentin Hebel (voc, git), Hagen Neye (voc, b) und Jan Schwinning (dr) wissen diese aber eleganter zu verpacken und stellen den Song ganz klar in den Vordergrund. Das resultiert in einem vielfältigen und aufregenden Album dessen Tenor zwischen entwaffnender Melancholie und subtiler Aggression pendelt. 

Die erste Single Peaks (28.09.18) ist gleichzeitig Opener des Albums. Umkreist von verwackelten Gitarrenfragmenten und untermalt vom kräftige Schlagzeug-Bass-Groove, mündet der elegische Gesang im fast schon hymnischen Refrain, um im Anschluss in ein tiefes psychedelisches Loch zu fallen – durchaus exemplarisch für D A R E.

Wolf (26.10.18), Single Nummer zwei und Titelstück beschwört mit Text und Bass einen langsam zu Ende gehenden Rauschzustand, während Schlagzeug und Gitarre ein fragiles, zitterndes Fundament bilden. Farbig überzeichnete Bilder einer monotonen Landschaft bilden das entrückte Video dazu.

Für 16 Songs und eine Gesamtspielzeit von über einer Stunde benötigt man durchaus Durchhaltevermögen. Schubladen-Freunde, die DISTURBING GRACE nur schwer einordnen konnten, werden hier verzweifeln. D A R E ist ein Konzeptalbum, das nicht zwingend einer einzigen Geschichte oder Stilistik folgt, sondern die Veröffentlichungsform „Album“ selbst zum Konzept ernennt und mit dessen Grenzen und Möglichkeiten spielt.

Prädikat „ambitioniert aber nicht abgehoben“ – Wagnis geglückt und Mutprobe bestanden.

Neben den gängigen Streaming- und Downloadanbietern, kann D A R E auch direkt über anoraque.bandcamp.com umsonst oder für einen freiwählbaren Betrag bezogen werden. Das Album ist nur digital erhältlich.

release information

Album Title: Wolf
Release Date: 09.11.2019
Format: Digital

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Promotion CH: Cristina Vega / c.vega@radicalis.ch
Promotion DE/AT: Christoph Hallerberg / c.hallerberg@radicalis.de

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